Erstes Eghaländer Heimattreffen

 

 

Am 14. und 15. August 1954 fand in Linz an der Donau das 1. Egerländer Heimat-Treffen in Österreich statt. Ausser den Ausführungen von Landeshauptmann Heinrich Gleißner und Bürgermeister Ernst Koref befaßte sich der Bundesvüarstäiha der Egerländer Gmoin, Ernst Bartl, mit der veränderten Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, die auch das Leben der Egerländer in Österreich beeinflußte. Geblieben ist aber eine echte Stammestreue zu den kulturellen Werten der Heimat, wobei Glaube, Heimat und Treue zu ihr die Grenzen übersprangen. Es bindet immerhin noch das Blut und das Bekenntnis zur alten Heimat. Ernst Bartl im Klartext: „In der Sudetendeutschen Schicksalsgemeinschaft, aus der wir Egerländer niemals ausspringen wollen, erhoffen wir den Tag, an dem wir in Frieden und Freiheit den geliebten Heimatboden wiederum betreten können. Dort aber, wo wir jetzt wohnen, wollen wir bis dorthin alle Kräfte, unser ganzes Wissen und Können einsetzen, dem ganzen Deutschen Volk zum Nutzen und unserem Egerland zuliebe.“ Inzwischen haben sich natürlich die Verhältnisse in Tschechien geändert, sodaß die Rückkehr in die alte Heimat immer unrealistischer wird. Es gilt demnach auch einen Blick auf die Feststadt Linz und auf das Egerland zu werfen.

Eingebettet in ein Talbecken der Donau und umgeben von einem Kranz grüner Berge, breitet sich die Landeshauptstadt von Oberösterreich rechts des Stromes aus. Auf der linken Donauseite liegt der Stadtteil Urfahr, der durch zwei Brücken (heute sind es drei) mit Linz verbunden ist. Aus der ruhigen Handels- und Gewerbestadt von einst ist nach dem Zweiten Weltkrieg eine Großstadt mit mitteleuropäischer Bedeutung geworden. Ein langer Weg führt von der alten Römersiedlung zu den Großbauten von heute. Am Römerberg steht die zwar kleine Martinskirche, ein sehenswertes Bauwerk, errichtet unter Karl dem Großen. Den groß angelegten Hauptplatz zieren geschichtliche Häuserfronten und das Wahrzeichen der Stadt, die barocke Dreifalitgkeitssäule. Am oberen Ende des Hauptplatzes führt uns die Klosterstraße zum prunkvollen Rainessancebau des Landhauses mit seinem großartigen Arkadenhof. Eingebettet in die Anlage des Landhauses ist weiters die Minoritenkriche. Oberhalb der Altstadt türmt sich das Schloß auf einem steilen Felsen unmittelbar über der Donau auf. Der alte Schloßbau brannte 1800 nieder, an ihn erinnert noch das Tor Kaiser Friedrichs III., der längere Zeit in Linz regierte. Im Osten des Hauptplatzes erhebt sich der schlanke Turm der alten Pfarrkirche und unweit davon grüßen die beiden Türme des Alten Domes hernieder, in dem Anton Bruckner als Domorganist wirkte. Ein Wahrzeichen von Linz ist der neugotische Mariendom mit seinem 135 Meter hohen Turm aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ebenso stolz aber kann Linz auf seine Leistungen in der Gegenwart sein, auf die Großindustrie der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke - VÖEST - und die benachbarten Stickstoffwerke, die zusammen 14.000 Menschen beschäftigen. Gepflege Parkanlagen mit stilvollen Brunnen und Statuen - wie das Adalbert Stifter-Denkmal vor dem Landhaus - lockern immer wieder das Stadtbild angenehm auf. Auch das kulturelle Linz hat mit der modernen Entwicklung Schritt gehalten. Landesmuseum, Lentos, Landestheater, Ars Electronica Center, Landesbibliothek, Kunsthochschule legen davon ein Zeugnis ab. Die Ausflugsziele am Rand der Stadt sind der Freinberg und ebenso der Pöstlingberg am linken Donauufer, von dem man nicht nur das Stadtbild und das weite Alpenvorland, sondern auch das landschaftliche Alpenpanorama vor sich sieht. Der Freinberg kann mit Stadtautobussen vom Taubenmarkt aus leicht erreicht werden.  Die Linzer Gmoi hat in dieser Stadt 100 Jahre lang gelebt und gewirkt, die Menschen aus dem Egerland  fanden neue Freunde, blieben ihrer Tradition treu und fühlten sich in ihrer neuen Heimat trotzdem sichtlich wohl.

 

Egerländer in Österreich 

 

Das Egerländer-Treffen in Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich, regt dazu an, die vergangenen und gegenwärtigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern herauszustellen. Im Vordergrund steht der Name des Dichters Heinrich Suso Waldeck. Er wurde am 3. Oktober 1873 in Wischerau im Egerland geboren. 1937 erhielt er den Staatspreis für Literatur. Seine Entlassung vom Reichssender Wien brachte den seelischen Zusammenbruch und er verbrachte seinen Lebensabend im Kloster der „Töchter des göttlichen Heilandes“ in St. Veit. Es war die große Meisterin des historischen Romans, Enrica von Handel-Mazzetti, die auf seine Werke aufmerksam machte und über ihn schrieb: „Waldeck war auch ein Vorbild an Güte, Geduld und tiefchristliche Menschenliebe.“ Der aus Eger stammende Musikpädagoge Josef Lugert war Professor am Prager Konservatorium, der auch das Orchester des Linzer Landestheaters mit Musikern versorgte, von denen wiederum drei die Gründer der Linzer Gmoi waren.

 

Der Bildhauer Franz Metzner war ebenfalls mit Oberösterreich verbunden. Ihm oblag der figurale Schmuck für das Leipziger Völkerschlachtsdenkmal. Franz Metzner war übrigens auch der Schöpfer des Denkmals für den oberösterreichischen Mundartdichter Franz Stelzhamer im Linzer Volksgartenpark, das den Dichter der oberösterreichischen Landeshymne „Hoamatland“ darstellt. Nach der Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer alten Heimat fanden viele Egerländer in Österreich eine neue Heimat vor. Sie kamen nicht als Fremdlinge hierher. Ein jahrhundertelanges Schicksal und das Erleben zweier Weltkriege haben die Oberösterreicher und die Egerländer zusammengeführt. Als am 4. März 1919 die österreichischen Abgeordneten in Wien zusammentrafen, wurde den sudetendeutschen Abgeordneten die Teilnahme verweigert. Daraufhin bekannten sich die sudetendeutschen Abgeordneten im Namen des Selbstbestimmungsrechtes einhellig zu Österreich. Tausende Verwundete kamen aus den österreichischen Alpenländern immer wieder zu den Weltbädern Karlsbad, Franzensbad und Marienbad. Tausende Egerländer zogen immer wieder als Lehrer, Künstler und Gelehrte, ebenso als Industrielle, Techniker und Beamte in die einst größere Heimat nach Wien und die jetzigen Bundesländer. Der Alpen- und Donauraum erhielt immer wieder Blut aus dem Sudetenland. Als Finanzminister wirkte im Ministerium Windischgrätz von 1861 bis 1865 der bekannte Parlamentsredner Dr. Ernst Plener aus Eger. Staatsrechtslehrer Wenzel Lustkandl aus Eger war Rektor der Universität Wien, Josef Ulbrich, zweimal Rektor der Prager Universität war namhafter Verfasser bedeutender Werke der Staatsrechtslehre. 20 Jahre lang wirkte der Reichstagsabgeordnete Adolf Bachmann an der Prager Universität. Bekannt als Historiker unterrichtete Franz Martin Mayer aus Graz, wobei seine „Geschichte der Steiermark“ zum bedeutendsten Werk der steiermärkischen Landesgeschichte wurde. Sein Lehrbuch über die „Österreichische Geschichte“ erlebte sechs Auflagen und wurde in vier Sprachen übersetzt. Der Historiker Emil Werunsky verfaßte noch als 90jähriger Professor an der Prager Universität seine „Österreichische Reichsgeschichte“. Professor Adam Wolf wurde 1848 in das Frankfurter Parlament gewählt. Professor Anton Waßmuth hatte den Lehrstuhl für mathematische Physik an der Universität in Graz inne und war wegen seiner umfassenden Kenntnisse bei den Schülern und Kollegen geschätzt. Der berühmte Astronom im 19. Jahrhundert Johann Josef von Littrow leitete große Sternwarten und war seit 1819 in Wien tätig. Sein bekanntestes Werk ist „Das Wunder des gestirnten Himmels“. Der österreichische Physiker Josef Loschmidt erfand die nach ihm benannte Loschmidtsche Zahl, die zu einem Begriff der modernen Physik wurde. Der Bundeskanzler der Ersten Österreichischen Republik, Ernst von Streeruwitz stammte aus Mies. Die in Pilsen geborene Dichterin Gertrud Fußenegger fand in Tirol ihre Heimat und kann auf eine Menge von geschriebenen Büchern und Preise zurückblicken. Heute lebt sie sehr zurückgezogen als Ehrenbürgerin und Trägerin des Ehrenringes der Stadtgemeinde Leonding bei Linz. Seit über 60 Jahren schlossen sich die in Österreich lebenden Egerländer in Gmoin zusammen, um ihre Mundart und ihr Brauchtum zu pflegen und zu erhalten. Die Wiener Gmoi wurde im Jahre 1894 gegründet, jene in Salzburg 1932. Der Dachverband der Egerländer Gmoin wurde mit dem Sitz in Linz zusammengeschlossen und kann nunmehr auf sein 100jähriges Bestehen zurückblicken.

Über uns

Die Eghalanda Gmoi z'Linz, die älteste Gmoi im Bund der Egerländer Gmoin e.V. feiert am 14. Juni 2014 ihr 110jähriges Gründungsfest.

Obwohl wir schon so alt sind, sind wir doch allem 

 

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