Das Eghaland

 

Das engere, historische Egerland umfasst das Gebiet der einst reichsfreien Stadt Eger (heute Cheb). Das weitere Egerland deckt sich innerhalb Westböhmens mit der Verbreitung der Egerländer Mundart und reicht im Süden bis vor Pilsen und im Osten bis Luditz - Duppau -Schlackenwerth, während im Westen die Landesgrenze Böhmens zugleich die Grenze des Egelandes bildet. Sprachlich ist allerdings zwischen der Egerländer und der angrenzenden Oberpfälzer Mundart fast kein Unterschied, wurde doch einst von der Oberpfalz her das Egerland erschlossen und besiedelt, so dass es sich auf beiden Seiten der Landesgrenze um Menschen des gleichen Stammes handelt. Gegen Osten und Norden hin geht die Egerländer Mundart in die erzgebirgische Mundart über.

Kennzeichen für die Egerländer Mundart sind besonders die Zwielaute, z. B. Rou (Ruhe), Bou (Bube), fröih (früh), sua (so) usw., also fast umgekehrte Zwielaute wie in den süddeutschen und österreichischen Dialekten.

 

Im Egerland war es ein kräftiges Bauerntum das den Ton angab, nicht nur in den meist unregelmäßig angelegten Dörfern, auch in Eger selbst strich überall die frische Landluft; ja selbst in den modernen Fabrikorten und Weltbädem ließ sich die bäuerliche Lebensgrundlage nicht leugnen.

 

Reich ist heute noch das Egerländer Erbgut an Volksliedern Volkstänzen, Trachten Sagen; Bräuchen, Sprichwörtern und Redensarten . Nicht zuletzt genannt sei der etwas derbe Humor in der meist sehr deutlichen Sprache.

 

Eingebettet in die etwas wellige Landschaft des Egerlandes liegen die schönen Fachwerkbauten der Bauernhöfe, Zeichen des selbstbewussten Egerländer Bauerntums.

Die alte, reichsfreie Stadt Eger konnte wohl die deutscheste aller Städte des Sudetenlandes genannt werden. In ihrer Wehrhaftigkeit und in ihrem Kunstschaffen wetteiferte sie mit Nürnberg. Geographisch nimmt Eger eine Schlüsselstellung zwischen Böhmerwald, Erzgebirge und Fichtelgebirge, sowie zwischen den Ländern Böhmen, Bayern, Franken und Sachsen ein, wodurch Eger zu einem Verkehrsknotenpunkt mit mitteleuropischer Bedeutung geworden war.

 

Auf das erste Geschlecht der Vohburger Markgrafen folgte mit Kaiser Konrad III. die Herrschaft der Hohenstaufen Barbarossa regierte dreimal vorübergehend in der Egerer Kaiserpfalz und nach der historischen Legende feierte er hier auch seine Hochzeit mit Adele von Vohburg. Heute noch künden die Ruinen der Kaiserpfalz mit dem mächtigen schwarzen Turm aus Lavagestein, dem Pallas mit seinen fünfteiligen, romanischen Arkadenfenstern und der herrlichen Doppelkapelle im spätromanischen und frühgotischen Stil von der Macht der einstigen Stauferherrschaft.

 

Der Egerer Marktplatz mit seinen alten Patrizierhäusem und dem Stadthaus, in dem Wallenstein ermordet wurde, zählt zu den schönsten seiner Art in einst deutschen Landen.  wie Eger war auch das Prämonstratenserstift Tepl Bollwerk und Mittelpunkt der deutschen Kultur durch viele Jahrhunderte. Der Dichter des größten literarischen Werkes des deutschen Humanismus, Johannes von Saaz, weilte, auch längere Zeit in Tepl und 200 Jahre vor Luther erreichte die deutsche Hochsprache in der Tepler Bibelübersetzung einen Höhepunkt. In der Neuzeit erfolgte vom Stift Tepl aus die Gründung des Weltbades Marienbad am Fuße des Kaiserwaldes, während das Welt- und Thermalbad Karlsbad in der geologischen Bruchlinie des Egergrabens auf Kaiser Karl IV., den Gründer der ersten Reichsuniversität in Prag zurückgeht.

 

Nördlich von Eger Hegt noch das Moorbad Franzensbad als drittes Bad im Egerländer Bäderdreieck. Auch die Bodenschätze des Egerlandes trugen viel zum Reichtum des Landes bei. Der Bergsegen von Schlaggenwald und Mies rührte einst zum Wohlstand ihrer Bürger. Die Kaolinlager bei Karlsbad und die Braunkohlenlager des Egergrabens bildeten die Orundlage der Porzellanindustrie und anderer Industriezweige. Im nahen Elster- und Erzgebirge liegen Europas stärkste Radiumbäder Brambach und Joachimsthai, von dem sich der Taler und der Dollar ihren Namen hohen und wo nach dem zweiten Weltkrieg Unmengen von Uranpechblende unter widrigen Umständen und großen Menschenopfern aufgebracht wurden.

 

Nach dem Nachlassen des silbernen Bergsegens war es die Heimindustrie, die den Menschen im Erzgebirge Arbeit und Brot gab. Barbara Uttmann erfand die Kunst des Spitzenklöppelns, Schönbach und Graslitz wurden weltberühmt durch die Erzeugung ihrer Musikinstrumente. Auch auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft hat das Egerland große Männer hervorgebracht. Balthasar Neumann aus Eger, der Schöpfer der Würzburger Residenz und vieler anderer Werke, gilt als einer der größten deutschen Barockbaumeister, Franz Metzner gestaltete das große Leipziger Völkerschlachtdenkmal, von den modernen Dichtem ist vor allem Erwin Guido Kolbenheyer zu nennen. Erwähnenswert ist auch das die Vorfahren des mittelalterlichen Geographen und Erfinder des Globus, Martin Beheim, wie neuere Forschungen zeigen, aus dem Egerlande kamen. Der Dachstuhl des Wiener Rathauses wurde von einem Egerländer konstruiert.

 

Kaiser und Könige, Fürsten und Dichter so wie Menschen aller Stände haben immer wieder das Egerland mit seinen Weltbädern besucht und dort Heilung und Genesung gefunden. Wiederholt ist vor allem Goethe in das Egerland gekommen. Die Mariennbader Elegie bringt ein letztes Liebeserlebnis des Dichterfürsten zum Ausdruck; Rat Grüner aus Eger zählte zu seinen vertrautesten Freunden.

 

Seither hat sich vieles geändert. Die beiden Weltkriege haben das Egerland schwerstens erschüttert, der härteste Schag war die Vertreibung aus der alten, angestammten Heimat. Aber wo immer Egerländer leben, schließen sie sich fest in den Egerländer Gmoin zusammen, mit dem einen Ziel, das Egerländer Stammestum wach zuhalten bis einmal der Tag der großen Heimkehr kommt, vielleicht in ein besseres (?) Europa.

(Erg. Neudruck der Festschrift des "Ersten Egerländer Heimattreffens im August 1954" in Linz.)

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Die Eghalanda Gmoi z'Linz, die älteste Gmoi im Bund der Egerländer Gmoin e.V. feiert am 14. Juni 2014 ihr 110jähriges Gründungsfest.

Obwohl wir schon so alt sind, sind wir doch allem 

 

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